Die Slop-Granate – und wo ein Fehler gestoppt werden muss
Ian Foley hat Ende September auf LinkedIn einen Cartoon mit Begleittext veröffentlicht. Er greift einen Begriff auf, den er Shopify-CEO Tobias Lütke zuschreibt: die „Slop Grenade“. Jemand lässt eine KI ein langes Dokument, eine E-Mail oder Code erzeugen und reicht das Ergebnis ungeprüft an Kolleginnen und Kollegen weiter. BetterUp Labs und das Stanford Social Media Lab nennen das Phänomen „Workslop“: Arbeit, die fertig aussieht und das Denken an die Empfänger weitergibt. Foley zieht zwei Vergleiche, die ich für Marktrecherche besonders treffend finde.
Stand 28. September 2026
Erstens: Amazon. PowerPoint hat es leicht gemacht, eindrucksvolle Folien ohne zusammenhängendes Argument zu bauen. Amazon hat Folien deshalb durch schriftliche Memos ersetzt, damit die Autorin ihr Denken erledigt, bevor andere Zeit investieren. KI wiederholt dieses Problem in größerem Maßstab. Sie erzeugt nicht nur Folien, sondern ganze Studien, die fertig aussehen. In der Marktrecherche wird das teuer: Eine Marktzahl, die niemand zurückverfolgen kann, landet trotzdem im Gate-Papier. Verschoben wird dann nicht nur Zeit, sondern das Risiko einer Entscheidung.
Zweitens: Toyota. Jidoka heißt, einen Fehler dort zu stoppen, wo er entsteht, statt ihn die Linie hinunterlaufen zu lassen, bis ihn jemand anders findet. Übertragen auf einen Bericht bedeutet das: Die Prüfung gehört zum Absender, nicht zum Empfänger. Ob eine Zahl eine Quelle hat, ob die Quelle existiert, ob sie sagt, was behauptet wird, ob sie aktuell ist – das muss geklärt sein, bevor die Datei verschickt wird. Wer es dem Empfänger überlässt, hat keine Zeit gespart, sondern Arbeit verschoben.
Foleys Vorschlag am Ende: eine Seite, die Empfehlung, Begründung und das wirklich Neue erklärt. Ein Absender, der die Aussagen prüft und für die Schlussfolgerungen geradesteht. Und was nicht reicht, geht zurück, statt vom Empfänger repariert zu werden. Das deckt sich mit dem, was ich für die eigentliche Governance-Frage halte: nicht, wer welche KI benutzen darf, sondern was eine Vorlage mitbringen muss, bevor sie auf den Tisch kommt.
Das betrifft auch busqo selbst. Ein Scan-Pack ist umfangreich: Studie, Datenbanken, Modell, Präsentation. Von außen könnte das wie eine besonders große Slop-Granate aussehen. Der Unterschied liegt nicht in der Seitenzahl, sondern darin, was an der Unterlage hängt: jede Zahl mit Quelle oder als Annahme mit Kennung, jede Lücke benannt, ein automatisierter Abgleich zwischen Bericht, Modell und Datenbank vor der Auslieferung – und vorn eine Seite, die sagt, was belegt ist, was angenommen ist und was offen bleibt.
Jidoka für Marktrecherche heißt bei busqo: geprüft vor Auslieferung. Für Berichte, die bereits auf Ihrem Tisch liegen, zeigt der Validierungs-Scan, was hält, was wackelt, was fehlt – bevor die Nacharbeit bei Ihnen landet.
Quellen
- Ian Foley – „Sloppy“, LinkedIn-Beitrag mit Cartoon (#iantoons), September 2026
- BetterUp Labs & Stanford Social Media Lab – Workslop: The Hidden Cost of AI-Generated Busywork
