Gedanken zur KI-Governance

    Aufsicht an der falschen Stelle

    Stand 2. Oktober 2026

    In Führungsgremien setzt sich gerade ein Raster durch. Jede KI-Anwendung wird nach zwei Fragen eingeordnet: Was kostet ein Fehler, und wie leicht lässt er sich rückgängig machen? Daraus folgen Stufen der Aufsicht. Sie reichen von „die KI entscheidet allein" bis „der Mensch entscheidet, die KI unterstützt". Die Idee geht auf Jeff Bezos zurück, der 2015 zwischen umkehrbaren und nicht umkehrbaren Entscheidungen unterschied. Das Raster ist vernünftig, hat aber eine Lücke.

    Wer entscheidet – und worauf?

    Kosten, wenn falschleicht rückgängig zu machenschwer rückgängig zu machen
    gering

    Laufen lassen

    KI entscheidet allein.

    • Meeting-Zusammenfassungen
    • interne Entwürfe
    • KI-Marktanalyse erstellen

    Vorher prüfen

    KI schlägt vor, Mensch gibt frei.

    • Kundenmails
    • Angebote
    • externe Veröffentlichungen
    ungeprüft übernommenHier fehlt die Aufsicht
    hoch

    Grenzen setzen

    KI entscheidet in festgelegten Grenzen.

    • Kampagnenbudget
    • Lagernachbestellungen
    • Zahlungsfreigaben bis Betrag X

    Beim Menschen lassen

    Mensch entscheidet, KI unterstützt.

    • Markteintritt
    • Investitionen
    • Freigabe eines Entwicklungsprojekts
    Umkehrbarkeit →
    Das Raster prüft die Entscheidung. Die Unterlage, auf der sie steht, rutscht durch.

    Eine Marktanalyse mit KI zu erstellen kostet wenig. Ist sie falsch, lässt man sie neu erzeugen. Laut Raster darf die KI hier allein arbeiten.

    Für die Entscheidung, die auf der Analyse aufbaut, gilt etwas anderes. Ein Markteintritt, eine Investition oder die Freigabe eines Entwicklungsprojekts sind teuer, wenn sie falsch sind, und kaum rückgängig zu machen. Laut Raster entscheidet hier der Mensch.

    Jede Einordnung für sich stimmt, zusammen ergeben sie ein Problem. Der Mensch entscheidet zwar selbst, aber auf einer Grundlage, die niemand geprüft hat. Die Aufsicht sitzt am Ende der Kette, das Risiko am Anfang.

    Das Raster fragt, wer entscheidet, aber nicht, auf welcher Grundlage. Eine erfundene Marktgröße wird nicht harmlos, nur weil am Ende ein Mensch unterschreibt. Sie fällt nur nicht mehr auf.

    Daraus folgt eine einfache Regel. Eine Unterlage erbt die Risikostufe der Entscheidung, die sie tragen soll. Wer nicht umkehrbar entscheidet, braucht geprüfte Grundlagen: jede Zahl mit Quelle, jede Annahme benannt, jede Lücke sichtbar.

    Human-in-the-loop hilft wenig, wenn die Prüfung erst bei der Unterschrift beginnt. busqo prüft die Unterlage, bevor eine Entscheidung darauf aufbaut.